Von digitalen Zombies und überflüssigen Menschen

Datensicherheit Diskussion an der Hochschule, wer künftig am Steuer sitzt: Der Mensch, ein Roboter oder Big-Data-Konzerne

Welche Seiten wir im Internet anschauen, welche Begriffe wir suchen, wo wir mit dem Auto unterwegs sind – das wissen nicht nur wir, das wissen – oft ohne dass wir es wissen – auch Google und Co. Die großen Internetdienstleister sind auch große Datensammler. Diese Sammelwut und deren Folgen war Thema eines Diskussionsabends an der Hochschule Kempten. Eingeladen hatte die Ökumenische Hochschulgemeinde (ÖHSG).

„Sitzen wir noch am Steuer? – Der Mensch, ein Roboter oder ganze Big-Data-Konzerne“ – darüber sprachen Wolfgang Goldberg (ÖHSG) und die Professoren Dr. Thomas Eimüller (Fakultät Maschinenbau) und Dr. Stefan Schneider (Fakultät Elektrotechnik). Zitate aus Büchern von Yvonne Hofstetter und Professor Yuval Harari, die sich kritisch mit der fortschreitenden Digitalisierung auseinandersetzen, dienten als Diskussionsgrundlagen.

Die nicht erkennbare Datensammelwut war eines der großen Themen. Hofstetter, zitierte Goldberg, schreibe von einem digitalen Zwilling, der sich aus all den persönlichen Daten eines Menschen zusammensetze. Der mutiere schließlich zu einem digitalen Zombie und folge seinem Menschen wie ein Schatten.

Stimmt, hieß es vonseiten der Zuhörer: Wer auf Facebook schreibe, wie toll die letzte Saufparty war, werde das nicht mehr los: Daten, die raus sind, bleiben draußen.

Für Komfort Daten freigeben

Trotz der unbestreitbaren Sammelwut persönlicher Informationen legen Konzerne wie Google oder Apple höchsten Wert auf Datensicherheit, sagte Schneider. Sie seien nicht der verlängerte Arm der US-Regierung. Dies zeigten auch die Prozesse von Apple und des FBI um die Entschlüsselung von iPhones. Als mündiger Bürger müsse jeder selbst entscheiden, ob er diese Dienste und Informationen nutzt. Aber genau dies, meinte ein Zuhörer, geschehe eben nicht. Die große Mehrheit schätze den Komfort zu sehr, um sich mit den Gefahren auseinanderzusetzen: Fürs neue, bequeme Laptop nehme man die Datenkrake Windows 10 in Kauf, kein Mensch lese die AGB von Whats-App.

Die Manipulation des Anwenders sei das Schlimme, warnte Eimüller: „Wenn ich nach Restaurants in der Umgebung suche, will ich alle angezeigt bekommen und nicht nur die, die an Google zahlen.“

Weiteres Thema waren die Jobs, die der Digitalisierung zum Opfer fallen werden. Harari rechnet damit, dass dank immer ausgefeilterer Algorithmen bis 2033 nahezu alle Telefonverkäufer, Versicherungsvertreter, Kellner, Schiedsrichter, Bauarbeiter, Bäcker oder Anwaltsgehilfinnen ihre Jobs verlieren. Auf der sicheren Seite seien lediglich Spezialisten wie Archäologen, deren Jobs hochkomplexe Formen der Mustererkennung verlangen und keinen Gewinn abwerfen. Was also tun mit all den „überflüssigen Menschen“? An Kreativität und Erfahrung sei der Mensch den Maschinen bisher klar überlegen gewesen. Aber der Zeitpunkt werde kommen, wo Maschinen den Menschen den Rang ablaufen werden, meinte Eimüller.

Zumindest in der Produktion, ergänzte Schneider, müsse der Siegeszug der Maschinen kommen. Dennoch werde es für Menschen genug zu tun geben, was aber heiße, die Arbeit anders aufzuteilen. Ein Punkt, der für Goldberg besonders wichtig ist, denn: „Zum MenschSein gehört auch die Ausübung einer befriedigenden Tätigkeit“. 

 

Mit freundlicher Genehmigung der Allgäuer Zeitung, Bernd Buchfeld, Artikel vom 04.05.2017